Hannahs Tagebuch Caen 2007

Aus der siebten und achten Klasse verbrachten einige Schülerinnen und Schüler die Zeit vom 09.05.07 bis zum 16.05.07 in Caen, der Partnerstadt von Würzburg in der Normandie. Dort waren sie in den Familien ihrer Austauschpartner untergebracht und machten mit diesen auch Ausflüge, wobei sie die Normandie näher kennen lernten. Dieser Austausch mit dem Sacre – Coeur, einem College, findet alle zwei Jahre statt.

Mittwoch:
Wir mussten alle schon früh aufstehen, weil wir um 7:00 Uhr losfahren wollten. Als ich an der Schule ankam, waren die meisten schon da. Alle waren aufgeregt und freuten sich schon auf Frankreich. Dann ging’s endlich los! Die Busfahrt hat sehr lange gedauert. Während der Fahrt haben viele geschlafen, Musik gehört oder geredet. Kurz vor Caen wurden alle sehr aufgeregt: viele fragten sich, ob ihre Austauschpartner nett seien oder ob sie genug verstehen würden, weil auch einige F3er dabei waren, die dieses Jahr erst mit Französisch angefangen haben.

Als wir endlich vor dem Sacre Coeur, der Schule der französischen Austauschpartner, ankamen, wurden wir schon gespannt erwartet. Ich glaube, die Franzosen hatten die selben gemischten Gefühle wie wir: eine große Portion Vorfreude vermischt mit etwas Angst und Ungewissheit. Nachdem jeder seinen Austauschpartner gefunden hatte, wurden wir von der französischen Deutschlehrerin begrüßt. Danach sind alle zu ihren Gastfamilien nach Hause gefahren und haben dort ihre 1. Nacht in Frankreich verbracht.

Donnerstag:
Am Donnerstag Morgen hab ich erst mal verschlafen. Ich wurde von Fanny, meiner Austauschpartnerin, geweckt und musste mich beeilen, weil es schon Frühstück gab. Erst zeigte sie auf zwei Schüsseln und ich dachte, dass sie mich fragen wollte, ob ich Müsli essen will. Ich verneinte und sagte, dass ich Baguette essen wollte. Sie aß ihr Müsli mit warmer Milch – das war das erste, was mich wunderte. Komisch fand ich auch, dass sie das Müsli fast ohne Milch auflöffelte und danach Kekse in die Milch tunkte. Mir fiel generell den ganzen Tag über auf, dass die Franzosen seeehr viel Süßes und vor allem Schokolade essen: Beim Frühstück gibt’s Brötchen mit Schokoladenstücken, Kekse und Müsli mit Schokolade, das man mit Kakao isst! Und so geht das den ganzen Tag über weiter: fast alle haben Süßigkeiten für das Lunchpaket bekommen und zu jeder möglichen Gelegenheit werden Kekse angeboten.

Nach dem Frühstück sind wir mit dem Bus zum Sacre-Coeur gefahren. Von dort aus sind wir mit der ganzen Gruppe mit einem Bus nach Beuvron en Auge gefahren. Das ist ein kleines, typisch nomannisches Dorf, das wegen seiner Fachwerkhäuser unter Denkmalschutz steht. Hier konnten wir uns ein wenig umsehen und Fotos machen. Unser nächstes Ziel war eine Käserei. Dort haben wir eine Führung bekommen und konnten sehen, wie Livarot, Ponte du Vec und Camembert, die drei Käsesorten, für die die Normandie bekannt ist, hergestellt werden. Am Ende der Führung durften wir sogar den Käse probieren. Die Meinungen über den Geschmack waren sehr unterschiedlich. Ich fand alle lecker und man sollte sie umindest probieren, wenn man in der Normandie ist.

Danach sind wir weiter nach Honfleur gefahren. Honfleur ist eine schöne Hafenstadt mit vielen malerischen Häusern. Hier haben wir am Rand des „Bassin“, dem Binnenhafen von Honfleur, Mittagspause gemacht. Anschließend durften wir in Kleingruppen die Stadt unsicher machen. Dabei ist uns aufgefallen, dass es sehr viele Künstler gibt. Frau Neumann erklärte uns später, dass sich diese wegen der schönen malerischen Kulisse in Honfleur niederließen. Als nächstes ging es nach Deauville, einem berühmten Badeort mit einem sehr schönen Strand. An diesen gingen wir auch. Wegen des schlechten Wetters konnten wir leider nicht schwimmen, sondern nur mit den Füßen ins Wasser gehen. Es war sehr schön und hat viel Spaß gemacht. Aber noch waren die Deutschen und Franzosen eher zurückhaltend und blieben unter sich. Gegen sechs Uhr kamen wir wieder in Caen an und fuhren zurück in die Gastfamilien.

Freitag:
Vom Sacre-Coeur aus fuhren wir morgens mit dem Bus zum hotel de ville, dem Rathaus von Cean. Dieses ist in dem Gebäude der ehemaligen Abbaye aut hommes, der Männerabtei, untergebracht. Das Rathaus ist sehr schön und eindrucksvoll. Wir bekamen eine sehr interessante Führung durch die ehemalige Abtei, die uns gut über die Geschichte des Gebäudes informierte. Danach wurden wir von der 2. Bürgermeisterin begrüßt und haben alle auf die Deutsch-Französische Freundschaft angestoßen.

Als nächstes gingen wir in die Innenstadt von Caen, zur Kathedrale. Diese besichtigten wir allerdings nicht, sondern zogen in Kleingruppen los, machten Mittagspause und gingen shoppen. Nach ca. 1:30 Stunden kehrten wir wieder per Bus zur Schule zurück. Hier erfuhren wir erst etwas über den dortigen Deutschunterricht und dann schauten wir einen Film über den Teppich von Bayeux. Wir konnten danach etwas Zeit auf dem Pausenhof verbringen und wurden anschließend von dem Direktor begrüßt.

Samstag & Sonntag:
Das Wochenende haben die Deutschen bei den Familien verbracht, welche individuelles Programm gemacht haben. Beispielsweise sind zwei Familien nach Paris gefahren und eine andere hat die Kommunion eines Sohnes gefeiert – so haben alle etwas anderes erlebt. Ich bin mit meiner Familie ans Meer gefahren, um lebendige Muscheln zu sammeln, die wir Montag Abend gegessen haben. Wir konnten aber nicht lange bleiben, weil dann die Flut kam. Deshalb haben wir noch andere Muscheln gekauft.

Montag:
Heute sind wir mit dem Zug nach Bayeux gefahren, wo wir einen Rundgang durch die Altstadt gamacht haben. Danach schauten wir uns den Wandteppich von Bayeux an, der 70 m lang ist und auf dem die Schlacht bei Hastings dargestellt ist, in der Wilhelm der Eroberer, Herzog der Normandie, gegen Harold um die englische Königskrone kämpfte – und siegte. Nach der Besichtigung hatten wir Mittagspause und drei Stunden Zeit in Bayeux shoppen zu gehen. Ich fand es schön beobachten zu können, wie die anfängliche Zurückhaltung verschwand und sich trotz der Sprachhürde die Gruppe mehr und mehr vermischte, so dass jetzt die Kleingruppen, in denen alle losgezogen waren, häufiger gemischt waren als am Anfang unseres Aufenthaltes. Auch waren die meisten freundlicher und offener den Anderen gegenüber und man sagte mal hier, mal da ein paar nette Worte. Als die drei Stunden vorüber waren, fuhren wir wieder nach Caen zurück.

Dienstag:
Am Dienstag fuhren wir auf einen Bauernhof, auf dem Cidre, Pommeau und Calvados hergestellt werden. Wir wurden über den Hof geführt, konnten alle Arbeitsschritte sehen und durften sogar Cidre und Pommeau probieren und kaufen. Cidre ist gegorener Apfelsaft und Pommeau ist eine Mischung aus Cidre, Apfelsaft und Calvados. Unser nächstes Ausflugsziel war die Fabrik „Isigny – Caramels“, wo wir sehen konnten, wie Karamel hergestellt wird. Wir bekamen alle Arbeitsschritte genau erklärt und erfuhren unter anderem, dass es in Frankreich ca. 150 verschiedene Karamelsorten gibt. Eine davon ist eine Spezialität der Nomandie, bei deren Herstellung normannische Salzbutter verwendet wird. So schmeckt es nicht zu süß und hat auch einen angenehm salzigen Geschmack. In einem kleinen Laden, der zur Fabrik gehört, konnten wir einige der vielen verschiedenen Sorten auch kaufen.

Den deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe, auf dem gefallene Soldaten des 2. Weltkrieges beerdigt sind, besichtigten wir als nächstes. Er hat eine sehr beeindruckende Größe . Neben dem Friedhof gibt es eine Art Museum, in dem Schicksale des 2. Weltkrieges dargestellt werden. Hier steht auch ein Computer, mit dessen Hilfe man nach dem Grab von verstorbenen Angehörigen suchen kann. Mit dem Bus fuhren wir weiter zu einem anderen Soldatenfriedhof, dieses Mal ein amerikanischer. Im Gegensatz zu dem deutschen Friedhof, auf dem sich zwei Soldaten einen kleinen Grabstein, der auf der Erde liegt, teilen, hat hier jeder einen eigenen.

Unser Weg führte uns weiter nach Arromanches. Dort sind wir in ein 360°-Kino gegangen, wo man sich den Film „Der Preis der Freiheit“ ansehen kann. In dem wird die Landung der Aliierten an der Küste der Nomandie, um Frankreich im 2. Weltkrieg von den Deutschen zu befreien, gezeigt. Kriegsbilder und die heutige Normandie wechselten sich ab. Der Film war ohne Sprache, doch die Bilder sprachen ihre eigene, ergreifendere Sprache. Er war sehr eindrucksvoll und realistisch, da alle Kreigszenen tatsächlich aus dem Krieg stammen. Bei jedem Schuss oder Bombeneinschlag bin ich zusammengezuckt, weil sie so laut waren. Die meisten waren geschockt und mussten diesen Film erst einmal verdauen.

Im Bus, während der Rückfahrt nach Caen, sagten die Begleitlehrer noch einige Worte zu unserem Aufenthalt in Frankreich, da es leider unser letzter Tag war. Darüber waren wir alle sehr traurig, weil es uns in Frankreich sehr gefallen hat und wir gerne noch eine Woche geblieben wären.

Mittwoch:
Der Tag der Abreise war gekommen. Wir trafen uns um halb acht auf dem Schulhof des Sacre-Coeur, vor dem unser Bus schon wartete. Es war ein sehr herzzereißender Abschied und viele fingen an zu weinen. Da wir uns am Ende der Woche erst richtig kannten, war es schade schon gehen zu müssen. um so mehr freuen wir uns auf den Gegenbesuch Ende Juni!