9. November am Siebold-Gymnasium

„Mauern einreißen, Brücken bauen“, dieses Motto haben sich die Schülerinnen und Schüler des Siebold-Gymnasiums für ihren Projekttag zum 9. November gegeben. In verschiedenen Veranstaltungen setzten sie sich mit diesem Schlüsseldatum auseinander, das wie kein anderer Tag die Verstrickungen der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert markiert. Das geteilte Deutschland, der Eiserne Vorhang und der Fall der Mauer waren Schwerpunkte in der Unterstufe, während die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe in der Stadt Stolpersteine aufsuchten, sie reinigten und sich über die Opfer des NS-Regimes informierten. Dank der organisatorischen Unterstützung von Frau Stadträtin Stolz von den Würzburger Stolpersteinen
wurden für 24 Kleingruppen geeignete Routen festgelegt. An ausgewählten Punkten vor Ort berichteten externe Referenten über das Leben der Verfolgten, deren erschütterndes Schicksal dadurch greifbar wurde. Lebendige Erinnerung trat so an die Stelle eines anonymen Gedenkens an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938.
Stationen der deutschen Geschichte am Beispiel einer Exkursion vom Siebold-Gymnasium zum israelitischen Friedhof begingen die Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Jahrgangsstufe. Vom Mahnmal für die Toten des 16. März 1945 führte der Weg über den Hauptfriedhof zum Güterbahnhof an der Aumühle, wo die Deportationen der jüdischen Bevölkerung stattfanden. Die inzwischen aufgelassene Faulenbergkaserne führte die Zeit der Präsenz der Amerikaner vor Augen. Schließlich besuchten die Schüler unter der Führung von Herrn Stadtrat Dürrnagel den sehr eindrucksvollen israelitischen Friedhof an der Werner-von-Siemens-Straße. In verschiedenen Workshops wurde das Erlebte vertieft und die Ereignisketten bis zum 9. November 1989 untersucht. Der Tag endete für diese Klassen mit dem bewegenden Vortrag „Jüdische Mitschüler am Realgymnasium, dem heutigen Siebold-Gymnasium“ von Studiendirektor Christian Roedig. Die 13. Jahrgangsstufe beschäftigte sich in eigenen Seminaren mit dem 9. November, sie wurden dabei von den Referendaren des Studienseminars für Geschichte unterstützt. Mauern einreißen und Brücken bauen über die geschichtlichen Ereignisse hinaus wollten die Schülerinnen und Schüler der 5. bis 8. Klassen mit einer großen Kleiderbörse. Bedenkenloses Konsumverhalten, das gerade auch bei uns zu einer Flut von Altkleidern führt, sollte so hinterfragt werden. Über 300 kaum getragene, sauber gewaschene Kleidungsstücke wurden mit großem Erfolg getauscht oder an die Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende weitergegeben.