Prof. Stroh begeistert Siebold-Auditorium

Was antike Rhetorik, Barack Obama und Anrufbeantworter gemeinsam haben

Am Donnerstag, dem 21.1.2010, hatten wir die besondere Freude, Prof. Dr. Wilfried Stroh aus München an unserer Schule als Gastredner begrüßen zu dürfen. In der fast voll besetzten Mensa sprach Prof. Stroh vor zahlreichen Schülerinnen und Schülern der Oberstufe, Kolleginnen und Kollegen, Eltern und Gästen über das zeitlos aktuelle Thema „Die Macht der Rede im antiken Rom und heute“.

Der im In- und Ausland renommierte Altphilologe, bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, u. a. zu Ciceros Rhetorik und Ovids Liebesdichtung, übt nicht zuletzt durch seinen unermüdlichen und überzeugenden Einsatz für eine lebendige Latinitas große Anziehungskraft auf seine Zuhörer aus. Dass auf Lateinisch auch im 21. Jahrhundert über jedes noch so moderne Thema gesprochen werden kann, stellt Prof. Stroh nicht nur in seinem Bestseller „Latein ist tot – es lebe Latein“ sondern auch in unzähligen Rundfunk- und Fernsehinterviews unter Beweis. Auch in Würzburg gelang ihm mit der allein ihm eigenen Vortragsweise der Brückenschlag zwischen Antike und Gegenwart. So erfuhren die Zuhörer anhand ausgewählter rhetorischer Glanzstücke aus zwei Jahrtausenden, dass viel beachtete Reden in Moderne und Postmoderne deutlich Spuren antiker Rhetorik zeigen. Im Gegensatz zu berühmten Reden Caesars oder Ciceros, die unmittelbare politische Konsequenzen von größter Tragweite hatten, äußert sich die Macht der Rede heute, angesichts einer sehr komplexen, von elektronischen Medien geprägten Welt, eher in ihrer meinungsbildenden Funktion.

Gemeinsam sind Rhetorik in Antike und Gegenwart aber in jedem Falle griechisch-römisches Gedankengut und Spuren eines in vielerlei Hinsicht lebendig gebliebenen Lateins. Dass dieses auch in modernen Kommunikationsmedien Anwendung finden kann, bewies Prof. Stroh alias Valahfridus mit seinem lateinisch besprochenen Anrufbeantworter, auf dem u. a. zu hören ist: „Doleo neminem adesse, loquere post tinnitum.“

Somit bleibt uns, zumal nach dem positiven Feedback der nach dem Vortrag befragten und nach eigener Aussage überaus beeindruckten Schülerinnen und Schüler, nur noch zu sagen: „Gratias tibi agimus, Valahfride!“

Dr. G. Sander