Ist Latein für mein Kind die richtige Wahl?

colosseo

 

➢ Grundsätzlich nicht schwerer als eine moderne Fremdsprache, aber mit anderen Schwerpunkten:

Übersetzen:

  • genaues Hinsehen
  • Auswahl geeigneter deutscher Wörter
  • Verstehen von Zusammenhängen
  • Ziehen von Parallelen zur eigenen Erfahrungswelt

⇒ Förderung von sprachlicher Beweglichkeit, Ausdruck und Grammatik in der
Muttersprache, Verständnis von Fachbegriffen und Fremdwörtern

➢ ein klassisches Lernfach mit festen Strukturen und Systematik

⇒ Förderung von Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin durch das regelmäßige Lernen und Wiederholen von Grammatik und Vokabeln (in „mundgerechten“ Portionen)

➢ schrittweise Erschließung der Welt der Antike (Geschichte, Geographie, Politik, Religion, Philosophie, Kunst, Architektur) und ihrer Rezeption im Laufe der Jahrhunderte

➢ Auseinandersetzung mit antiken Vorstellungen und Ideen, die teilweise die europäische Kultur stark geprägt haben

⇒ eigene Reflexion und Stellungnahme, Förderung von Verständnis für andere Denkweisen

Ausbildung: mind. 3 Jahre Spracherwerbsphase und 2 Jahre Lektüre von (adaptierten) Originaltexten

Wem nützt es, was bringt das – das ist immer die Frage, wenn es um Latein geht. Dabei könnte man die Frage auch mal ganz unvoreingenommen stellen: Was verlieren wir, wenn wir diese Sprache aufgeben? (…) Was (…) verlieren wir, wenn Latein nur noch von einer kleinen Elite verstanden wird, wenn die Sprache, die Europa geprägt hat, irgendwann nur noch lauwarmes Wikipedia-Wissen ist? Wir verlieren einen Schatz, der unser Denken bereichert und unser Sprachgefühl steigert. Wir kappen einen Teil unserer historisch-kulturellen Wurzeln, weil wir das Gefühl haben, dann freier für andere Wissensgebiete zu sein, aber das ist in sehr vielen Fällen eine Illusion. Manchmal ist es besser, wenn man nicht den Weg des geringsten Widerstands geht.

SZ-Artikel vom 10./11.01.2015 (von Rudolf Neumaier)